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[Interview] Michael Masberg

 
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[Interview] Michael Masberg
Autor Nachricht
Refano
Alveraniare / Moderator


Anmeldedatum: 22.04.2007
Beiträge: 4066
Wohnort: Oberhausen

Beitrag [Interview] Michael Masberg Antworten mit Zitat
Refano:
Hallo Michael! Zunächst einmal ganz herzlichen Dank, das du dich für ein Interview zur Verfügung gestellt hast. Normalerweise wird unser Gast zunächst immer darum gebeten, sich selbst kurz vorzustellen. Da du jedoch eine eigene Homepage als auch einen Blog besitzt, machen wir diesmal etwas anderes. Beschreibe dich doch einfach mal als Mensch all jenen, die dich noch nie privat getroffen haben.

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Erst einmal vielen Dank für die Einladung zum Interview, das hat mich sehr gefreut.
Die Medien unseres Kommunikationszeitalters spiegeln nicht immer das Bild wieder, das man in der Wirklichkeit von sich zeichnet. Auf Cons wurde ich oft von Spielern angesprochen, die überrascht waren, wie klein und schmal ich bin (ja, ich bin ein Mann und unter 1,80m), da ich wohl irgendwie das Bild vermitteln muss, mindestens 1,90m und von bulliger Gestalt zu sein.
Ich bin eigentlich ein sehr umgänglicher Mensch, auch wenn ich mich leidenschaftlich an ein paar Umständen abregen kann. Als Kind meiner Eltern und des Ruhrgebiets neige ich zur Ehrlichkeit und dazu, offen meine Meinung zu sagen, auch wenn das vielleicht nicht immer taktisch geschickt ist. Ich mag meine Vorurteile und lasse sie gerne widerlegen. Meine Witze neigen manchmal zum Kalauern, aber das hat mir am Theaterstammtisch immerhin den Titel des Niveaulimbokönigs eingebracht. (Eine Auszeichnung, die sich auf meiner Homepage nicht erwähnt findet.) Ich liebe Klischees, gute Geschichten, Musik, Filme, Comics, lange Nächte und die späten Jahreszeiten.
Wem das alles nicht reicht, darf mich gerne auf Cons oder bei anderen Gelegenheiten ansprechen. (Vielleicht bei einem Theaterbesuch in Oberhausen?) Ich bin sehr kontaktfreudig, also keine Scheu!


Refano:
Wie kamst du zum Rollenspiel?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Bei meinem Umzug ist mir ein Asterix-Buch mit einem Solo-Rollenspiel in die Hand gefallen. Konnte ich mich gar nicht mehr erinnern, aber das dürfte einer meiner ersten Kontakte mit Rollenspiel gewesen sein. Mein erstes System war Marvel Super Heroes. Seitdem ich lesen kann und mir mein Vater meiner erstes Spider-Man-Heft kaufte, sammle ich Comics, also war es nahe liegend, dass ich dieses Spiel haben musste, das ich im Spielwarenladen entdeckt hatte. Dummerweise war es nicht die Art von Gesellschaftsspiel, die ich erwartet hatte. Klein-Michael hat es jedenfalls nicht verstanden, seine Eltern (denen ich übrigens meine große Liebe zum Spielen verdanke) auch nicht. Damit wanderte es erst einmal in den Schrank und brauchte lange, bis es wieder hervorgekramt wurde. In der Zwischenzeit war ich zu Das Schwarze Auge, irgendwie.


Refano:
Was hat dich an DSA so begeistert, dass Du Aventurien treu geblieben bist?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Das lässt sich leicht beantworten: Aventurien hat mich so begeistert. Die lebendige Spielwelt fesselt mich nach wie vor und ich verfolge gerne die Geschichte der Meisterpersonen, die ich eigenes Leben haben und sich weiterentwickeln. Ich habe Waldemar den Bären durch die Spielrunden poltern lassen, ergriffen sein Ende miterlebt, an der Seite seiner Tochter gestritten und nun das erste offizielle Abenteuer mit seinem Enkel Arlan in tragender Rolle geschrieben. Aventurien ist wie eine Soap und hier liegt für mich der ganze große Vorteil gegenüber anderen Systemen. In Aventurien spielen ist wie in den Ort seiner Kindheit zurückzukehren.


Refano:
Wie wurdest du zum Autor?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Mit Charme, Intelligenz und Penetranz. Smile Im Ernst: 2005 habe ich mit Die Überlegegenen (nachzuspielen in der Anthologie Bienenschwarm & Diskusflug) den ersten Platz beim Abenteuerwettbewerb Goldener Becher belegt. Im selben Jahr wurde mein erster Text publiziert, eine Druckseite über das Perlenmeer in der Regionalspielhilfe Land der Ersten Sonne. Was dann folgte, war eine Mischung aus Glück, Talent, Kontakten und tatsächlich einer gewissen Penetranz, da ich auch nicht müde würde, auf mich hinzuweisen. Ich bin den Redakteuren sehr dankbar, in deren Anthologien meine ersten Folgeabenteuer erschienen und die mir ihr Vertrauen gaben. Der zweite und dritte Schritt ist viel entscheidender als der erste, das ist beim Theater genauso wie in der schreibenden Zunft. Ohne die Gelegenheiten, die mir etwa Daniel, Katharina, Mark, Tyll oder die wunderbare Momo ermöglicht haben, wäre der Weg zum etablierten Autor sicherlich etwas steiniger gewesen.


Refano:
Einigen Usern sehen dich als selbst darstellerisch veranlagten DSA-Autor an und ziehen bereits Parallelen zu Hadmar Wieser. Was sagst du zu diesen Usern?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Selbstdarstellung ist eine Theaterkrankheit. Natürlich habe ich einen gewissen Hang dazu, aber von Hadmar von Wieder möchte ich mich klar distanzieren. Dieser Vergleich mag als Angriff gemeint sein, ich will ihn aber nicht als Beleidigung auffassen. Trotz aller Theatralik und Eitelkeit empfinde ich mich als bedeutend geerdeter und weiß gute Freunde an meiner Seite, die mich rechtzeitig an meine Sterblichkeit erinnern.


Refano:
Für DSA bist du nicht nur als Autor aktiv, du bist gehörst auch den Alveraniaren an. Wie wurdest du zu einem der offiziellen DSA-Meister?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Das ist recht simpel: Pete legte das Rothemd ab und ich wurde gefragt, ob mir seines passt.
Ich kenne Daniel Richter privat schon seit ein paar Jahren durch einen gemeinsamen Freund in Oberhausen. Lustigerweise kannten wir schon einige Monate, ehe wir begriffen, das wir das gleiche Hobby haben ... Da ich schon immer auf vielen Cons gewesen bin, lernte ich durch Daniel auch die anderen Alvis kennen. Als dann Petes Stelle vakant wurde (und ich vorher schon als Spielleiter aufmerksam ins Auge genommen wurde und auf der RatCon 2007 als Ersatzmann eingesprungen bin), fragte mich Uli Kneiphof, ob ich Lust hätte. Die Konditionen stimmten und ich sagte Ja.


Refano:
Hat man als Alveraniar genaue Verpflichtungen?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Natürlich. Man ist eines der Gesichter des Spiels, ein direkter Ansprechpartner für die Spieler. Mit den Alveraniaren ist es meist leichter in Kontakt zu treten als mit den Autoren und durch die gemeinsamen Stunden am Spieltisch lernt man sich meist auch besser kennen. Es ist wichtig, dass man auf einer gewissen Anzahl von Cons im Jahr vertreten ist (nicht auf allen, dafür gibt es ja von uns so viele), Fanpflege betreibt und sich auch darüber hinaus für den Verlag engagiert.


Refano:
In deinem beruflichen Leben arbeitest du für das Theater Oberhausen. Was genau machst du da?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Vorrangig bin ich Regieassistent und das genaue Tätigkeitsfeld ist Auslegungssache, jedoch wird der Umfang der Tätigkeiten meist zu Ungunsten des Assistenten ausgelegt. Smile
Innerhalb einer Produktion, die etwa 6 bis 8 Wochen dauert, bin ich von den Vorbereitungen über die erste Konzeptionsprobe bis hin zu den Endproben und der Premiere die rechte Hand des Regisseurs, Vertrauensperson für ihn und die Schauspieler gleichermaßen und – kurz gesagt – das Nervenzentrum.
Ich organisiere Proben, verwalte Ruhezeiten und Fehltermine, kommuniziere mit den unterschiedlichen Abteilungen des Theaters (und davon gibt es einige!), springe bei Proben (und selten auch bei Vorstellungen) für abwesende Schauspieler ein, führe Regiebuch, weiß alles und kann jede Frage beantworten. Wenn ich Glück habe, habe ich eine Regiehospitantin an meiner Seite, die mir ein paar Aufgaben abnimmt.
Nach der Premiere begleite ich das Stück weiterhin durch die Vorstellungen. In der Abendregie schaue ich, dass ich alle meine Schäfchen beisammen habe, alles seinen gewünschten Ablauf hat, treffe Entscheidungen, wenn das nicht der Fall ist, und gebe den Schauspielern hinterher Kritik.
Dazu kommen dann noch allerlei andere Aufgaben wie Durchsprechproben, Umbesetzungen, Lesungen, Organisation von Festen oder kleinen Programmpunkten und und und. Und ja, man wird für diesen Job wirklich mies bezahlt, sollte man wirklich mal den Fehler begehen und einen Stundenlohn ausrechnen wollen. Allerdings ist der Assistent auch nur ein Übergangsberuf hin zum Regisseur – und in eben dieser schwierigen Übergangsphase befinde ich mich gerade.


Refano:
Hilft dir deine Tätigkeit für deine Arbeit als Autor?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Die sehr intensive Auseinandersetzung über Wochen mit den Werken großer und weniger großer Dichter hat mir mit den Jahren ein gutes Gefühl für Dramaturgie gegeben. Auch die Arbeit mit den unterschiedlichsten Menschen und Künstler (gerade assistiere ich Joan Anton Rechi, einem spanischen Regisseur) ist für mich sehr inspirierend. Mit vielen Büchern und Autoren wäre ich vielleicht gar nicht in Kontakt gekommen, wären sie nicht mal auf Proben Thema gewesen.


Refano:
Hast du eigentlich noch Zeit übrig, selbst regelmäßig DSA zu spielen?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Regelmäßig? Nein, leider. Unsere Spielrunde besteht aus zwei Theaterschaffenden, einer PR-Assistentin und einem Koch, noch willkürlichere Arbeitspläne lassen sich kaum geballt vereinen. Oft freuen wir uns seit Tagen auf einen Spieltermin, auf den wir uns endlich einigen konnten, und dann kommt kurzfristig etwas dazwischen, weil Ulli für einen kranken Arbeitskollegen einspringen muss oder wir doch am Abend proben. Ja, das ist ärgerlich, vor allem, wenn man bedenkt, welcher Berg an Abenteuer noch auf unsere Helden wartet ...


Refano:
Wenn Du die Zeit findest, bist Du eher der Spieler oder der Spielleiter?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Eher Spielleiter. Wir befinden uns gerade in der Mitte des zweiten Bandes der Königsmacher, einer Kampagne, von der ich sehr begeistert bin und die ich alleine schon deswegen weitererzählen möchte. Dann liegen noch diverse Abenteuer und eigene Geschichten halbvorbereitet parat. Ich bin ehrlich: Mich hält es nie lange auf der Seite des Spielers, ich bin gerne hinter dem Meisterschirm. Das hat aber zusammen mit der Schwierigkeit, einen gemeinsamen Spieltermin zu finden, zur Folge, dass ich manche meiner liebgewonnenen Helden (unter anderem einen gewissen Keideran Labharion den Schüler) seit Jahren(!) nicht mehr gespielt habe. Und auf Cons spielen ist nun als Alveraniar auch vorbei.


Refano:
Spieler wie Spielleiter brauchen zwei Dinge, die einem jedem Rollenspiel gehören: eine Welt / Hintergrund und ein Regelwerk. Was ist für dich persönlich wichtiger: ein gut ausgearbeitetes Regelwerk oder eine durchdachte Welt, bei der man die Regeln schon mal biegen kann?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Für mich gibt es kein Regelwerk, sondern Richtlinien. Das ‘Richtlinienwerk‘ von DSA ist für mich auch der große Kritikpunkt. Ich bekomme damit in seiner vollen Gewalt ja nur zu tun, wenn ich offizielle Abenteuer schreiben, da müssen die Regeln schon genau angewendet sein. Aber die Recherche in über 2.100 (!!) Seiten Regelwerk -den neuen Meisterschirm nicht mitgerechnet - macht einfach keinen Spaß. Mir jedenfalls nicht.
Dagegen kann ich stundenlang durch alte Abenteuer und Hintergrundbände blättern, mir Inspirationen für Geschichten holen oder neue Zusammenhänge erstellen. Das hat manchmal etwas Archäologisches, ist für mich aber ungemein spannend. Und: Regeln sind dann ein Problem, wenn sie eine gute Erzählung behindern.


Refano:
Hast du als Autor ein Themengebiet, zu das dir besonders am Herzen liegt?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Ich mag das Mystische und die alten Geheimnisse der aventurische Vergangenheit. Natürlich interessiere ich mich sehr für Maraskan und Weiden. Sehr große aventurische Themen sind die Drachen und Charyptoroth, damit kann man ziemlich coole Sachen machen.


Refano:
Du giltst als einer der Maraskan-Verantwortlichen. Kannst du uns etwas zur Zukunft der Insel verraten?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Ich habe mit drei Abenteuern zu der Insel beigetragen und einige Ideen im Kopf, aber bis jetzt ist noch keine Entscheidung über die Verantwortlichkeit gefallen. Natürlich würde ich mich sehr gerne der Insel annehmen. (Hey, Thomas, sieh das als öffentliche Bewerbung! Very Happy) In allen Diskussionen, die ich auch mit anderen Autoren und Redakteuren geführt habe, besteht aber der Konsens, dass sich etwas auf Maraskan tun muss und die jüngsten Entwicklungen betreffs Haffax ihre Folgen haben werden. Dabei soll der Geist der Insel, den Karli Witzko geprägt hat, erhalten bleiben, in einem Zug Maraskan aber auch spielbarer gemacht werden – vor allem auch für kleinere Abenteuer. (Der Baum und das Mädchen in Märchenwälder, Zauberflüsse war ein erster Versuch in diese Richtung.) Aber noch gibt es viele Ideen, die sondiert werden müssen.
Ich persönlich würde den Maraskanern ein paar Siege gönnen und die ohnehin nur behauptete Macht der Fürstkomturei brechen – aber das nur mal am Rande erwähnt.


Refano:
Andere Spielerinnen und Spieler schreiben dich eher Weiden zu. In den eingeschickten Fragen wurde deutlich, dass sich nicht wenige Spielerinnen und Spieler nach Helden sehnen, die als Vorbilder dienen. Ist Weiden nicht die optimale Heimat für neue (NSC-) Helden?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Weiden ist die Heimat neuer Helden. Ich mag Weiden wegen seines klassischen Settings und weil es einfach funktioniert. Okay, manchmal mag es recht simpel sein, aber es funktioniert. Das mittnächtliche Herzogtum hat einen wunderbaren Hintergrund mit tollen, auch ambivalenten Figuren (etwa die junge Nordfalk). Wir haben Herzogin Walpurga, die melancholische, aber tatkräftige Herrscherin. Man braucht nicht überall kaputte, gebrochene und zwielichtige Figuren. Ein Fantasy-Erzählspiel lebt in ganz wichtiger Instanz von beeindruckenden Schurken und coolen Helden. Also mehr davon!
Ich persönlich teile sehr den Wunsch nach Vorbildern für die Helden und empfinde die Politik als grundsätzlich falsch, alle Meisterpersonen, die dies erfüllen oder das Potential dazu haben, zu entsorgen. Es braucht Vorbilder, damit man an ihnen reifen und wachsen kann, um ihnen dann auf Augenhöhe zu begegnen und sie schließlich zu überwinden.
Und dass in Weiden bereits die nächste Generation bereit steht, beweisen Daniel Richter und ich in unserem Abenteuer Strom der Feinde, das bald in Wetterleuchten erscheinen wird. Dort wird der junge Prinz Arlan von Löwenhaupt zeigen, wessen Enkel er ist. Bei den Spielrunden auf der diesjährigen FeenCon kam Arlan als Figur sehr gut an und ich denke, wir konnten ein paar neue Fans für ihn gewinnen. Smile


Refano:
Du gehörst den jungen Autoren an und kannst bereits zahlreiche Publikationen und Beiträge vorweisen. Vor allem scheinst du bei jedem der kommenden Werke in irgendeiner Form deine Finger mit im Spiel zu haben. Mit Daniel Simon Richter betreust du eine Anthologie, du schreibst unter anderem bei der Ork-RSH Reich des roten Mondes mit und so weiter… Bist du als Autor etwa ein „Hans Dampf in allen Gassen“?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Es ist eine tolle Bestätigung für die eigene Arbeit, wenn man viele Anfrage bekommt. Mittlerweile sogar mehr, als ich bewältigen kann, so dass ich auch ein paar Projekte ablehnen musste, hätte ich nicht auch noch den letzten Rest meines Privatlebens opfern wollen.
Es gibt viel, was mich als Autor interessiert, manche Sachen aber auch nicht. Und, um ehrlich zu sein: Es ist auch ein Job, der bezahlt wird, und ein regelmäßiger Finanzschub ist nicht zu verachten. Dennoch mache ich das nicht nur für das Geld, wie beim Theater ist auch das Schreiben eine Leidenschaft von mir, der ich gerne nachgebe.


Refano:
Kommen wir zu der Anthologie Bardensang & Gaukelspiel, die du betreust. In deinem Blog finden sich schon Informationen dazu, aber vielleicht bist du ja so nett und erzählst uns noch einmal, wie es eigentlich zu der Anthologie kam…

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Die meisten Publikationen sind Auftragsarbeiten. Zwar kann man sich selbst sehr stark einbringen, doch meist gibt es einen klaren Rahmen. Ich wollte selbst etwas auf die Beine stellen und habe auch ein wenig nach weiteren Herausforderungen gesucht. Und irgendwann kam mir dann die Idee zu einer Gaukelanthologie. Sie entsprang einem Moment, in dem ich gelangweilt von allen Kampagnen war und mich fragte, worauf ich mal wieder Lust hätte: Auf was Kleines. Mit Gauklern.
So war die Idee geboren und ich schickte meinen Einfall vollkommen unreflektiert in einer unverbindlichen Kurzmail an Patric, Florian und Thomas. Als Antwort kam: Tolle Idee, mach das! Und: Schaffst du das bis September, wir würden dich dazwischen schieben? Alles klar, dann fange ich mal an. Und so war es dann auch.


Refano:
Diesmal bist du nicht der Autor, sondern der verantwortliche Redakteur. Wo genau ist der der Unterschied zur Autoren-Tätigkeit und wie sieht deine Tätigkeit als Redakteur aus?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Ich lasse für mich schreiben, anstatt viel selbst zu tippen. Zwar gibt es eine Spielhilfe aus meiner Feder, aber ich muss mir viel weniger ausdenken als sonst.
Als Autor hast du eine Idee oder bekommst eine Vorgabe, aus der du heraus eine Idee entwickelst. Über dir sitzt ein Redakteur, der deine Arbeit betreut, bewertet und korrigiert.
Über mir als Redakteur sitzt jetzt nur der Verlag, der meine Arbeit betreut, bewertet und korrigiert, doch die eigentlichen Entscheidungen liegen bei mir. Ich habe die Autoren anhand ihrer Exposés ausgewählt und ihnen während des Schrumpfungsprozesses mit Rat zur Seite gestanden. Außerdem war ich (wieder einmal) ein Kommunikationsknotenpunkt zwischen Autoren, Redakteuren, Illustratoren und wer sonst noch alles drin hängt.
Die erste Abgabe wurde dann von mir lektoriert und kommentiert an die Autoren zurückgeschickt. Als Redakteur ist es meine Aufgabe, die Verknüpfung mit anderen Publikationen im Blick zu haben und grobe Fehler zu vermeiden. Außerdem achte ich darauf, dass DSA-typische Konventionen sowie das Regelwerk eingehalten werden. Dazu kommen die klassischen Punkte wie Rechtschreibung, Grammatik, logischer Aufbau, etc.
Jetzt gerade sitze daran, die einzelnen Texte ein letztes Mal zu korrigieren und zu einem Gesamtwerk zusammenzufügen. Wenn das alles beim Verlag auf dem Tisch liegt und es keine Einwände mehr gibt, mache ich für meine Autoren die Abrechnung.
Wenn es also keine großen Komplikationen gibt, liegt der Schwerpunkt für den Redakteur am Anfang (Auswahl der Autoren, Korrektur des Exposés) und am Ende (Korrektur und Abgabe der Texte). Und es gehört auch zum Redakteur, ordentlich Dampf zu machen, damit Abgabetermine eingehalten werden. Das scheint mir gelungen, denn von unserer Seite her wird sich Bardensang & Gaukelspiel nicht verzögern.


Refano:
Nach welchen Kriterien hast du dir die Autoren ausgesucht? In deinem Blog ist von den Autoren deines Vertrauens die Rede…

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Es gibt die Möglichkeit, einen allgemeinen Aufruf über die etlichen internen Listen zu machen oder sich genau auszusuchen, wen man gerne dabei hätte, weil man weiß, wie diese Leute arbeiten und man ihre Arbeit schätzt. So war das bei mir der Fall: Ich habe viele Leute angefragt, die mich mit ihren bisherigen Werken überzeugt haben. Nicht alle konnten leider, aber aus den Exposés, die mir von denen zugeschickt wurden, die Zeit und Lust hatte, habe ich meine Auswahl getroffen.
Eine Ausnahme stellt Franz Janson dar, der über meinen Blog von Bardensang & Gaukelspiel erfahren und mir einfach eine Mail geschickt hat, ob er mir auch ein Exposés einreichen dürfte. Die Idee, die er hatte (die Helden begleiten eine reisende Operntruppe bei ihrer Tournee durch das nördliche Liebliche Feld), fand ich genial, und da mich auch das ausformulierte Konzept und die mitgeschickten Schreibproben überzeugen konnten, habe ich ihn mit an Bord geholt. Das Ergebnis ist ein sehr schönes Abenteuer, an dem so manche Spielrunde sicherlich ihren Spaß haben wird. Und ehe böse Zungen etwas anderes behaupten: Ich bin mit der Arbeit aller meiner Schreiberlinge sehr zufrieden und es ist uns gelungen, eine abwechslungsreiche Anthologie auf die Beine zu stellen. An dieser Stelle möchte ich ein großes Lob und viel Dank an alle aussprechen!


Refano:
Du musstest Exposés begutachten und dich für einige entscheiden, andere sicherlich ablehnen. Verrätst du uns die Kriterien?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Am Anfang muss mich die Grundidee überzeugen, ganz einfach, am besten in einem Satz. Dabei gilt bei mir kein Innovationszwang, sprich: Der Grundgedanke des Plots muss nicht möglichst neu sein, um das Rennen zu machen, denn manchmal sind die simplen Ideen, gut erzählt, die Besseren.
Als nächstes gilt natürlich der Aufbau: Welche Wendungen nimmt die Geschichte, ist sie spannend oder dümpelt sie nur so um den Grundgedanken herum? Welche Figuren (ganz wichtig!) möchte der Autor verwenden, sind sie logisch motiviert und ausreichend charakterisiert? Und natürlich auch: Hätte ich selbst Lust, ein solches Abenteuer zu spielen?
Bei einer solchen Anthologie kommt zudem noch ein anderer wichtiger Punkt hinzu, die Ausgewogenheit. Wenn ich zwei Exposés zu einem Schelmenabenteuer vorliegen habe, dann können beide noch so gut sein, es wird nur eines das Rennen machen. Mitunter musste ich auch in einzelnen Punkten Änderungen einfordern, um die Wiederholung eines Themas zu vermeiden.
Das ist uns in meinen Augen gut gelungen. Zwar decken wir bei weiten nicht das gesamte Spektrum des Fahrenden Volkes ab (es gebe also noch genug Stoff für einen zweiten Band Wink), aber wir bieten eine bunte und abwechslungsreiche Mischung.


Refano:
Kannst du uns schon etwas zu den enthaltenen Abenteuern verraten?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Da ich das ohnehin jetzt bald auf meinen Blog machen werde (mal sehen, wer schneller ist), will ich das gerne hier und jetzt exklusiv machen: Enthalten sind vier Abenteuer und ein Szenario, die zusammen fünf Motive des Fahrenden Volkes abdecken. Abgerundet wird die Anthologie von Themenkästen (die ihren Wert auch über das Ende des Abenteuers hinaus behalten) und einer kleinen Spielhilfe zu berühmten Fahrenden im Anhang. Wir stellen uns das als bunte Spielkiste für den Meister vor. Zu den Abenteuern:
Zwischen den Zeilen von Stefan Unteregger führt uns nach Greifenfurt zu einem Bardenwettbewerb, den ein Edler zu seinem 50. Tsatag ausrichtet. Plötzlich gibt es jedoch einen verschwundenen Teilnehmer und die Helden müssen Köpfchen und eine scharfe Zunge beweisen, um das Abenteuer zu lösen. Es gibt ein Wiedersehen mit vielen bekannten Barden (natürlich auch unserer aventurischen Lieblingsbardin Amber) sowie ein paar Figuren aus dem Computerspiel Drakensang.
Danach geht es detektivisch weiter und Katja Reinwald und Nina Schellhas führen ein Schattenspiel auf. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein aventurischer Jahrmarkt und der Mord an einer Gauklerin. Das Abenteuer setzt sich sehr intelligent mit dem schwierigen Rechtsstatus der Fahrenden und dem Leben in einer feudalen Gesellschaft auseinander. Außerdem tritt man auch hier bekannte Gesichter, unter anderem aus Gaukelspiel und Staub und Sterne. Das Abenteuer spielt in einer beispielhaften Baronie in Andergast, kann aber ohne großen Aufwand in jeden anderen mittel- und nordaventurischen Landstrich verlegt werden.
Marc Jeneßen lädt anschließend zum Fest der Freuden nach Al'Anfa und zeigt uns Das Lächeln des Raben. Marc hat das sehr unterhaltsame Abenteuer erfolgreich auf der RatCon geleitet. Ein paar Mal schaute ich vorbei und alle schienen mir sehr amüsiert. Denn in dem südaventurischen Karneval treibt ein ganz besonderer Spaßmacher sein Unwesen...
Es folgt das schon erwähnte Abenteuer von Franz Janson, das den Namen Sänger, Ruhm und Papprapiere trägt und uns und den Helden einen Einblick in die Welt hinter und neben der Bühne gewährt. Zusammen mit einer Operntruppe geht es auf Tournee durch das Horasreich.
Hier noch eine kleine Anmerkung: Die Abenteuer sind sehr zeitlos gehalten und nahezu frei von Meisterinformationen zu den großen Kampagnen. Franz' Abenteuer spielt zwar im Horasreich nach Königsmacher, nennt aber kaum Spoiler und schon gar keine großen sein eigen.
Den Abschluss bildet ein Szenariohintergrund mit vielen Abenteuervorschlägen von Daniel Heßler zu Betancurs Gruselschau, einer aventurischen Kuriositätenschau – man könnte moderner auch ‘Freakshow’ sagen. Ich hoffe, ich habe nicht zu viel versprochen.


Refano:
Deine eigenen Abenteuerplots stufen die Spielerinnen und Spieler als "klassisch" ein und nicht so sehr als modernen-offenes Szenario. Siehst du Dich eher als Geschichtenerzähler denn als Szenario-Autor?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Ich möchte ein Beispiel aus dem Theater anführen: Wenn ein Regisseur ein Stück inszeniert, hat er in der Regel den Text eines Autors und dieser ist sehr festgesetzt. Der Regisseur muss also mit einem Text arbeiten, den man in den Bereich ‘Railroading’ einordnen muss – vielleicht gibt es sogar ganz viele Regieanweisungen, wie die Figur in dem Stück zu agieren hat. Auf den Regisseur wartet nun die Aufgabe, dieses Stück gedanklich zu druchdringen, um es dann aufzubrechen (wohlgemerkt: nicht zu zerstören!) und es zu etwas eigenem zu machen.
Ähnlich sehe ich es bei Abenteuertexten und verfolge deswegen die ewige Diskussion ‘Geschlossenes vs. Offenes Abenteuer’ aus ziemlich entspannter Situation. So lange es in sich stimmig ist, darf mir ein Abenteuer vorschreiben, was es will. Was meine Spieler und ich dann daraus machen, weiß eh kein Autor vorher.
Dieses Verständnis prägt auch mein Schreiben. Ich will Geschichten erzählen und nicht nur den Hintergrund für andere Geschichten liefern, aber ich nehme es niemandem übel, wenn er aus meinen Ideen was Eigenes macht. Ich bin Geschichtenerzähler und ich will auch bestimmte Szenen erzählen, weil sie mir wichtig sind oder ich sie für besonders gelungen halte. (Es findet sich wohl kaum ein Autor, der diese Eitelkeit nicht hat.)
Aber mitunter verfolge ich auch Diskussionen zu Abenteuern, nicht nur meinen eigenen, in denen aufs Ärgste geschimpft wird und der achtgehörnte Dämon der geführten Handlung beschworen wird – und ich denke mir: Wo ist das Problem? Aus meiner nun schon recht langen Spielerfahrung heraus wundere ich mich dann über theoretisch aufgebaute Probleme, die sich in der Praxis in der Regel recht schnell lösen.
Ich persönlich schätze sehr das, was am Spieltisch auf der Interaktion mit meinen Spielern entsteht und manchmal überraschen sie mich so, dass ich alle Planung (und schweren Herzen auch manchen tollen Vorlesetext) entsorgen kann, aber ich finde das großartig, weil ich dann nicht nur unterhalte, sondern auch unterhalten werden. Mir ist bewusst, dass meine Abenteuer oft geradliniger wirken, aber das hält niemanden davon ab, den aufgeschriebenen Pfad zu verlassen. Wohl aber ist es so, dass unerfahrene Spielleiter in konkreten Plots abgesicherter sind als in völlig offenen Szenarien, während sich ein erfahrener Spielleiter in beiden Möglichkeiten gleich gut bewegen kann. Mh, schreibe ich damit jetzt Abenteuer für eine breitere Masse? Ich weiß es nicht.


Refano:
Mit "Von Eigenen Gnaden" bist du an einem offenen Kampagnenhintergrund beteiligt – was hältst du von den Entwicklungen in der Wildermark?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Die Wildermark ist ein sehr interessantes Setting, befindet sich für meinen Geschmack nur ein wenig zu sehr im Westen. Ich möchte aber unterscheiden, dass Von eigenen Gnaden für mich mehr eine Abenteueranthologie mit fünf ausgearbeiteten Abenteuern sowie ergänzenden Szenarien ist, als ein wirklicher Hintergrundband wie das großartige Blutige See. Bevor das falsch verstanden wird: Für mich ist das vollkommen in Ordnung und deswegen bin ich da wohl auch gut aufgehoben gewesen. Wink
Die Frage ist, was soll aus der Wildermark werden, denn dort, wo sie jetzt ist, muss wieder eine Ordnung hin, sonst sind alle Erfolge der Spieler fragwürdig. (Ich oute mich jetzt mal und erkläre, dass es für mich nur ein Fürstentum Darpatien geben kann, wo ein Fürstentum Darpatien stand, alle anderen Lösungen würden ein Bild von Rohaja weiterzeichnen, das mir nicht gefällt.) Ich finde es sehr gut, dass es ein Setting gibt, dass die Spieler mitgestalten und in dem ihre Helden merklich etwas leisten können, allerdings finde ich die Wildermark dafür ein wenig zu eingeschränkt. Für wirkliche Freiheiten als Spielleiter ist mir der gegebene Raum zu beschränkt, da hat mir die Blutige See weitaus besser gefallen, da sie mir mehr Möglichkeiten geboten hat. Nichtsdestotrotz lässt sich einiges daraus machen, wenn man den feudal-militärischen Touch des Bandes mag.


Refano:
Du bringst hin und wieder deine eigenen SCs in Aventurien ein. Wie stehst du zum Einwand des Name-droppings und ist noch mit weiteren Figuren zu rechnen?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Na ja, hin und wieder ... Es gibt die eine oder andere Stelle, an denen ich für ein aventurisches Zitat einen meiner Helden und eine Figur aus unserer Runde bemühe, ansonsten ist tatsächlich noch keiner meiner Spielerhelden handlungsrelevant in Erscheinung getreten. Vielleicht meint diese Frage den Perricumer Draconiter-Abt Perval Groterian, den ich an dieser Stelle wohl mal erklären muss:
Vor ein paar Jahren, ziemlich am Anfang, hat Daniel Richter meine damalige Freundin Simone Gründken und mich angefragt, ob wir nicht einen Draconiter-Hort ausgestalten wollen. So entstand der Porthladd Canyfyddiad, der mittlerweile Portlas Canyziad heißt. Damals gab es noch das Briefspiel, aber da war in den letzten Tagen und der Hort trat dort nicht wirklich in Aktion. Da es nie groß verkündet wurde: Das Draconiter-Briefspiel ist seit einigen Jahren eingestellt. Daniel und mittlerweile ich führen die Plots aber als Autoren weiter. Die Hortbeschreibung blieb aber als Spielhilfe erhalten und ich benutze die Figuren, die wir damals generiert haben, darunter eben auch Perval Groterian, als Autor weiter und habe auch noch ein paar Pläne. Wir erinnern uns? Neue Meisterpersonen braucht das Land! Um es aber deutlich zu sagen: Ich habe nicht mal einen Charakterbogen für Perval...
Mitunter baue ich aber schon mal gerne Helden meiner Mitspieler am Rande der Ereignisse ein. Das hat nichts damit zu tun, eigene Figuren zu pushen, es ist vielmehr eine Hommage an meine Spielrunde und eine kleine Freude für meine Freunde.
Ansonsten: Ja, Name-dropping gibt es und natürlich will ein Autor auch seine eigenen Figuren fördern, die er schließlich generiert hat, um bestimmte Geschichten zu erzählen – wer macht das nicht? Allerdings finde ich, wiederholt bewiesen zu haben, auch mit bestehenden Figuren arbeiten zu können, so dass man mir meine Eigenheiten vielleicht nachsehen kann. Wink
Und natürlich werde ich als Autor auch noch neue Figuren erfinden. Dass einer meiner Spielerhelden aber mal offensiv benutzt wird, das ist noch nicht vorkommen. Noch nicht, denn ich will ehrlich sein, dass bei einer kommenden großen Sache eine Figur auftreten wird, für die ich sehr wohl einen Charakterbogen besitze...


Refano:
In diversen Foren ist Keideran als ein großer Kritiker und Polemiker bekannt, wie lang dauert es noch, bis du dich zum braven DSA-Autor machen lässt?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Wenn ich keine Kritik mehr äußern kann, höre ich auf. Kritik ist immer angebracht und der einzige Weg, besser zu werden. Polemik ist eine sehr scharfe Form der Kritik und hat ihre Grenzen. Wer immer nur querschießt und draufhaut, wird nicht mehr ernst genommen. Bei allem Wüten habe ich schon immer versucht, auch Lösungen zu entwickeln – man muss sich nur mal das ganze Material anschauen, dass ich zum Jahr des Feuers getippt habe und dabei bin ich einer der entschiedensten Kritiker der Kampagne.
Ich hatte und habe keine Probleme, mich – zum Beispiel auf Cons – persönlich der Kritik zu stellen und sie zu äußern. Bedauerlich finde ich nur, wenn manche sich hinter ihrer Anonymität verborgen halten. Kritik äußern ist auch eine mutige Angelegenheit, sofern man dazu sein Gesicht zeigen kann.
Ich muss mich aber auch nicht über alles aufregen, dafür ist mein Leben schon aufregend genug. Um jedoch ‘brav’ im Sinne von ‘folgsam’ zu sein, habe ich viel zu viel rebellische Energie in mir.


Refano:
Die Community sieht dich als keinen großen Freund Myranors. Wie stehst du zu den Entwicklungen von Myranor und von Querverbindungen / Cross-Over zwischen Aventurien und Myranor?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Im Sinne einer lebendigen Spielwelt, macht es Sinn und es gibt Setzungen, die beachtet werden müssen. Ein Teil der aventurischen Vergangenheit hat ihren Ursprung in Myranor und deswegen gibt es auch Spuren eben dieser Vergangenheit in Aventurien. Man sollte es aber nicht übertreiben und versuchen, nachträglich Myranor eine Rechtfertigung zu geben, indem man es enger an Aventurien bindet.


Refano:
Du giltst als sehr kritischer Autor, der auch Kollegen gegenüber kein Blatt vor den Mund nimmt und deutlich seine Meinung äußert. Gab es da schon einmal Probleme?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Ja, aber nichts, was sich nicht in einem persönlichen Gespräch geklärt hätte. Und wenn ich wirklich daneben trete, weiß ich auch, wann ich mich zu entschuldigen habe – sonst hätte meine Mutter bei meiner Erziehung was falsch gemacht und das hat sie nicht.


Refano:
Du bist ja selbst auch im Ulisses-Forum als auch bei alveran.org und anderen Foren aktiv. Ziehst Du als Autor einen Nutzen aus den verschiedenen Foren?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Die Foren sind ebenso wie Cons eine gute Möglichkeit, um Stimmungen und Wünsche der Spieler einzufangen oder sich auch ganz praktisch auszutauschen. Ich habe die Foren auch schon zur Recherche herangezogen, weil es viele Themen gibt, in denen andere einfach viel sattelfester sind als ich.
Leider drängt sich mir manchmal das Gefühl auf, die Meinung herrsche vor, dass die Foren der unmittelbare und einzige Spiegel der Spielerschaft sind und die User ein Vorrecht auf die Gestaltung des Produktes haben. Das klingt jetzt sehr böse und wahrscheinlich hassen mich jetzt sehr viele, aber ich will mich schnell erklären, ehe die Würfel fliegen:
Die Foren stehen für einen Teil der Spielerschaft, aber dort finden wir Autoren nicht den DSA-Spieler. Es gibt so gewisse von Vorurteilen geprägte ‘Feindschaften’ zwischen Forenuser, Con-Gängern und Briefspielern, die sich vor allem um den Punkt drehen, wer mehr Einfluss auf das Spiel hat. Um diese Frage zu beantworten: Ich schreibe für den Spieler daheim am Spieltisch. Manchmal lerne ich ihn im Forum kennen, manchmal auf der Con, manchmal bei Recherche im Briefspiel. Ich gebe keiner Meinung den unmittelbaren Vorzug, respektiere aber jede im Grundsatz erst einmal, sofern sie aus mehr besteht als aus „Du bist blöd, ich mag dich nicht!“.
Vor allem aber schätze ich Foren das, was mich an auch DSA bindet – dass es die Möglichkeit des unmittelbaren Kontakts gibt, dass man etwas von der Meinung der Spieler erfährt, das man sich selbst annehmen kann (oder auch nicht), und dass sie eine Möglichkeit darstellen, Das Schwarze Auge mitzugestalten.


Refano:
Was empfindest du als Autor, wenn im Internet über Produkte, an deren Entstehung du beteiligst warst, förmlich zerrissen werden?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Mein Kritikverständnis habe ich ja schon weiter oben dargelegt. Ich wiege jede Kritik ab, ob ich sie mir annehmen muss oder nicht. Nicht immer liegt das Problem bei dem Produkt und manche Zerrisse sind so persönlich geprägt, dass ich mich fragen muss, was ich davon jetzt ernst nehmen soll.
Natürlich empfindet man einen kleinen Stich, wenn über das eigene Werk hergezogen wird und ich habe mir mittlerweile angewöhnt, diesen erst einmal zu verarbeiten und mich dann mit ruhiger Seele noch einmal an die dar gebrachte Kritik zu setzen – würde ich beleidigt reagieren, wäre niemandem geholfen, mir am wenigsten. Wer sich öffentlich darstellt und verwirklicht, stellt sich auch immer öffentlicher Kritik aus. Das ist auch etwas, das ich beim Theater gelernt habe und für DSA benutzen kann.
Wirklich bedauerlich finde ich es allerdings, wenn eine Kritik nur destruktiv ist. Das kann ich dann registrieren, aber mehr auch nicht.
Also hier ein Aufruf zur konstruktiven Kritik! Gerne auch persönlich an mich der Mail. Ich bin auch immer an Spielberichten interessiert, weil ich es spannend finde, was andere aus meiner Vorlage machen.


Refano:
Du bist nicht nur online, sondern auch regelmäßig auf Cons anzutreffen. Welchen Stellenwert haben Cons für dich?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Es gibt ein paar sehr liebe Menschen, die ich nur ein paar Mal im Jahr auf den Cons und Messen sehe. In dieser Hinsicht haben Cons einen sehr hohen Stellenwert für mich, da sie dann etwas sehr Familiäres haben.


Refano:
Dieses Jahr hast du auf dem RatCon einen Workshop gehalten. Kannst du uns etwas zu dem Inhalt erzählen und hilft dir das Abhalten von Workshops als Autor selbst weiter?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Ich hoffe, ihr seht es mir nach, wenn ich die Frage ein wenig eingeschränkt beantworte, aber jetzt eine Zusammenfassung eines anderthalbstündigen Workshops zu geben ... Es drehte sich um das Leiten einer Kampagne und vor allem die zentralen Themen der Identifikation (vor allem über Meisterpersonen; Schurken ebenso wie Verbündete/Freunde der Helden) und die Tücken der Kampagne, wenn die Spieler partout in eine andere Richtung laufen – da ganze aufgefrischt mit einigen unterhaltsamen Anekdoten aus der Praxis. Das ist jetzt sehr knapp und wenig hilfreich, allerdings werden sich im kommenden Spielleiter-Band von mir mehr als diese wenigen Worte zu dem Themenkomplex befinden.
Workshops sind für mich noch etwas ziemlich Neues und ich habe wieder gemerkt, warum ich den Regisseur werde und nicht Schauspieler ... Con-Workshops haben manchmal mehr den Anstrich, als würden absolute Weisheiten verkündet, jedenfalls habe ich mitunter das Gefühl einer solchen Erwartungshaltung.
Vielmehr als Workshops helfen mir als Autor die persönlichen Gespräche auf Cons und die Spielrunden, da ich dort direkten Kontakt mit den Spielern habe und auch eine Stile und Vorlieben kennen lerne, als jene, die in unserer Spielrunde gepflegt werden.


Refano:
So schnell gehen Fragen vorüber und schon wieder ist ein Interview zu Ende. Es folgen nun die „Klassiker“ unter den Fragen, denen sich bislang jeder stellen musste.

Welches ist dein Lieblingsabenteuer und warum?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Blutige See hat uns noch so lange über das eigentliche Abenteuer hinaus begleitet, das ich es hier an erster Stelle anführen muss. Natürlich auch Jenseits des Lichts, professionsbedingt. Und als den Klassiker möchte ich noch Zorn des Bären nennen. Mh, und irgendwie auch Borbarads Fluch, weil es so herrlich trashig ist.


Refano:
Was ist deine Lieblingsregion in Aventurien und warum?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Weiden, weil Weiden einfach funktioniert und viele Möglichkeiten bietet, phantastische Geschichten zu erzählen. Dazu gibt es einen reichhaltigen Fundus an tollen Meisterpersonen, die mich mittlerweile sehr lange begleiten.
Ansonsten mag ich Maraskan (weil es in sich eine grandiose Philosophie birgt), die Tulamidenlande (für ihren Zauber von 1001 Rausch), das Bornland (weil es noch den klassischen Geist versprüht, der in anderen Regionen leider verloren gegangen ist) und neuerdings das Liebliche Feld (das ebenfalls eine sehr spannende Vergangenheit besitzt und für mich durch Königsmacher sehr gewonnen hat).


Refano:
Was ist deine Lieblingsprofession und warum?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Magier, ganz eindeutig. Nicht unbedingt der klassische Gildenmagier, aber wenn ich so in meine Charaktermappe gucke, überwiegt das magische Handwerk deutlich.


Refano:
Wenn Du es könntest: Welchen NSC würdest du verschwinden oder wieder auferstehen lassen bzw. welches Ereignis würdest Du rückgängig machen und warum?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Bis vor kurzem hätte ich noch laut Fenn von Drôlenhorst geschrien, dass dieser weg müsste, aber diese Figur benötigt keine weitere Aufmerksamkeit mehr.
Mir fehlen die großen Heldenfiguren, aber die meisten von ihnen hatten einen guten Abgang, was mich mit ihrem Ende versöhnlich stimmt. Es fehlt mir also weniger an diesen Figuren als vielmehr an vernünftige Nachfolger. Und wenn die nicht bald auftauchen, denke ich doch noch einmal darüber nach, ein paar auferstehen zu lassen.
Ich würde gerne die Schlacht in den Wolken neu erzählen, dieses Mal aber in einem angemessenen Rahmen.


Refano:
Was würdest du als deinen bisher gelungensten und bisher misslungensten offiziellen Beitrag zu DSA bezeichnen?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Die Überlegenen hat mir die Tür geöffnet und ein Preisgeld eingebracht, das ich zu dem Zeitpunkt auch bitter nötig hatte, aber heute würde ich das Abenteuer anders schreiben. Am wenigsten glücklich bin ich jedoch mit Firun wählt!, das ein paar handwerkliche Schwächen aufweist, die ich damals nicht in den Griff bekommen habe.
Als meinen gelungensten Beitrag möchte ich Der Baum und das Mädchen aus der Anthologie Märchenwälder, Zauberflüsse nennen. Es ist das Abenteuer, das mir beim Schreiben den meisten Ärger gemacht hat und bei dem ich mehrmals neu ansetzen musste. Als ich es dann aber auf der RatCon testgespielt habe und plötzlich in einem lauten, überfüllten Con-Raum eine kleine Schar ergriffener Spieler vor mir hatte, da wusste ich, dass ich es richtig gemacht habe. (Es ist ohnehin so, dass man eine Arbeit für ein Rollenspiel erst dann bewerten kann, wenn man sie dorthin getragen hat, wo sie hingehört: an den Spieltisch!)
Auf Platz 2 stelle ich Strom der Feinde (in Wetterleuchten). Es ist das erste Projekt, das Daniel und ich zusammen auf die Beine gestellt haben – und das hatten wir lange vor. Eine wirklich phantastische Zusammenarbeit, die ein gutes Ergebnis hervorgebracht hat, das durch die Spielrunden auf der FeenCon gekrönt wurde.


Refano:
Gibt es etwas, dass du noch ansprechen möchtest und was sagst du der DSA-Gemeinde zum Abschluss?

Michael Masberg hat Folgendes geschrieben:

Bewahrt euch eure Phantasie und eure Neugier. Und vergesst nie: Es ist nur ein Spiel - aber ein tolles!


Refano:
Michael, ich bedanke mich für das Interview im Namen der DSA-Community und wir alle wünschen Dir für die Zukunft alles Gute und vor allem viele gute Ideen!

_________________
Endlich wieder ein Interview - schickt mir Fragen für Daniel Simon Richter!
Do 11 Sep 2008 16:59 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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